Die Pille

Entwicklung und Ursprung

Als 1960 die erste Antibabypille in den USA auf den Markt kam, war das der Beginn der sexuellen Revolution. Erstmal hatten menstruierende Menschen die Möglichkeit, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, in dem sie regelmäßig ein Hormonpräparat einnahmen.

Die Idee, Hormone als Verhütungsmittel zu nutzen, entstand bereits um 1920. Den ausschlaggebenden Anstoß gaben die Krankenschwester Margaret Sanger, Gründerin der American Birth Control League (aus der später die amerikanische Organisation Planned Parenthood und letztlich auch die deutsche pro familia hervorgingen) und die wohlhabende Biologin Katharine McCormick.

Als Sanger 1951 den Endokrinologen Gregory Pincus kennenlernte, fragte sie ihn, wie viel Geld er für die Entwicklung eines solchen Hormonpräparats benötigte. Letztlich zahlte Katharine McCormick statt der ursprünglich geschätzten 125.000 Dollar zwei Millionen Dollar für die Forschung.

Gemeinsam mit seinem Kollegen John Rock und dank der Vorarbeit von Carl Djerassi und Franc Colton gelang es Pincus, die Hormone Progesteron und Östrogen künstlich herzustellen.

Wirkungsweise

Diese beiden Hormone werden natürlicherweise im Körper von Menschen mit einem Uterus gebildet und regeln den Ablauf der Menstruationszyklen und der Schwangerschaft. Zu erklären, wie die Hormone Gestagen und Östrogen im Detail wirken, würden den Rahmen dieses Beitrags sprengen, aber vereinfacht lässt sich die Wirkungsweise in drei Punkten zusammenfassen:

  • 1Die künstlichen Hormone sorgen für einen weitgehend konstanten Hormonspiegel, wodurch im Gehirn die Bildung von Botenstoffen gehemmt wird, die normalerweise die Eireifung anstoßen und den Eisprung hervorrufen.
  • 2 Das Gestagen verursacht eine Veränderung des Schleims im Gebärmutterhalses, was ein Durchkommen der Samenzelle in die Gebärmutterhöhle erschwert beziehungsweise verhindert.
  • 3 Die ausreichende Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut wird verhindert, sodass sich die Eizelle dort nicht einnisten kann.

In der siebentägigen Einnahmepause werden keine künstlichen Hormone zugeführt, die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen und es kommt zu einer Abbruchblutung. Bei dieser Abbruchblutung handelt es sich nicht um die Menstruation im eigentlichen Sinne, sondern eine deutlich abgeschwächte Form.

Arten

Auch wenn die Wirkungsweise der Pille fast immer gleich ist, Pille ist nicht gleich Pille. In erster Linie unterscheidet man zwischen der klassischen Kombinationspille, der Mikropille und der Minipille.

Die Kombipille

Die Kombinationspille enthält das synthetische Östrogen Ethinylestradiol und ein Gestagen. Zusammensetzung und Dosierung variieren dabei von Präparat zu Präparat. In der Regel wird die Pille über 21 Tage eingenommen und dann eine siebentägige Pause eingelegt, in der die Abbruchblutung erfolgt. Es gibt aber auch Präparate mit eine Einnahmedauer von 24 Tagen und einer viertägigen Pause. Bei korrekter Einnahme hat die Kombipille einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9.

Die Kombipille gibt es in fünf verschiedenen Ausführungen:

  • 1Einphasenpräparat: Jede Tablette der Packung enthält die gleiche Dosierung von Östrogen und Gestagen
  • 2Zweiphasenpräparat: Der erste Teil der Tabletten enthält nur Östrogen, kein Gestagen. Im zweiten Teil enthalten beide Hormone.
  • 3Zweistufenpräparat: In der Packung sind Tabletten mit zwei unterschiedlich hohen Dosierungen an Hormonen enthalten
  • 4Dreistufenpräparat: Bei dieser Ausführung liegt eine dreifache Abstufung der Hormondosis in einer Packung vor
  • 5Vierstufenpräparat: Eine Packung enthält Tabletten mit vier verschiedenen Abstufungen der Hormondosierung

Die Mikropille

Bei der Mikropille handelt es sich auch um eine Kombinationspille, da sie auch sowohl Östrogene als auch Gestagene enthält. Allerdings ist der Östrogenanteil geringer – weniger als 50 Mikrogramm pro Tablette. Meist liegt er zwischen 20 und 30 Mikrogramm. Diese geringere Dosierung sorgt für eine bessere Verträglichkeit, da gerade Östrogen häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen führt.

Auch bei der Mikropille unterscheidet man zwischen Ein- und Zwei- bzw. Dreiphasenpräparten. Die Mehrphasigen Präparate sollen die Hormonschwankungen des natürlichen Zykluses nachahmen und die Verträglichkeit erhöhen.

Die Minipille

Anders als die Kombipille enthält die Minipille kein Östrogen. Sie enthält nur das Gelbkörperhormon Gestagen. Bei der Anwendung unterscheidet sich die Minipille dahingehend von der Kombipille, dass es keine Einnahmepause gibt.

Bei der Minipille unterscheidet man zwischen zwei Arten:

Die Minipille mit Levonorgestrel

Während auch bei der Minipille der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert und eine Veränderung des Schleims im Gebärmutterhals hervorgerufen wird, wird die Eireifung und der Eisprung bei früheren Präparaten mit Levonorgestrel nicht verhindert. Zudem gibt es nur ein Einnahmefenster von drei Stunden. Nimmt man die Minipille mit diesem Gestagen mehr als drei Stunden später als die gewöhnliche Uhrzeit ein, ist kein sicherer Empfängnisschutz mehr gewährleistet. Der Pearl- Index liegt bei 0,5 bis 3.

Die Minipille mit Desogestrel

Neuere Präparate mit dem Gestagen Desogestrel erlaubt nicht nur das übliche Einnahmefenster von zwölf Stunden, sondern unterdrückt auch den Eisprung. Somit hat diese östrogenfreie Minipille nahezu einen gleichen Pearl-Index wie die Kombi- bzw. Mikropille.

Beitrag verfasst von Lisa

Magazin

Unsere neuesten Beiträge